#ErsteHilfe
Wir sitzen im Sonderzug, habens fein.
Auf einmal schaut mein Kollege mit entsetztem Blick hinter mich.
Ich dreh mich um und seh eine Frau am Boden liegen. Ein Typ checkt gerade Puls und Atmung und fängt an mit Wiederbelebungsmaßnahmen.
Bin sofort aufgesprungen und auch hin.
Im Kopf spulte ich ab, was ich beim Zivildienst als Rettungsfahrer gelernt hab.
1:5, 2:15... nein heute wird nur mehr gepumpt, nicht mehr beatmet.
"Braucht ihr mich? Ich bin ausgebildeter Sani. Ich löse dich gerne ab".
Ein dritter kommt dazu. Ebenfalls Sani, noch im aktiven Rettungsdienst.
Wir wechseln uns ab, bis jemand mit einem Defi kommt.
Weil es eng war im Zug bin ich dann raus.
Die beiden machen weiter.
Der Notarzt ist rasch da.
Irgendwann merk ich, die hören auf. Die Polizei trifft ein.
Keine Hektik mehr.
Ein junger Mann, offensichtlich leicht behindert, wird aus dem Zug geleitet. Der Sohn. Er bricht fast zusammen. Keiner hat bemerkt, dass er die ganze Zeit zugeschaut hat, wie seine Mutter reanimiert wird, denn er konnte nicht aussteigen, da es zu eng war.
Wir stehen draußen in der drückenden Hitze am Bahnsteig...
Irgendwann komm eine Psychologin vom Kriseninterventionsteam und übetnimmt den Sohn und die Bestattung holt die Verstorbene.
Krieg nur mit, der Sohn wohnte daheim und hat anscheinend keine weiteren Angehörigen.
Ich war, solang ich noch mit meinen Freunden unterwegs war, im "Einsatz-Mood". Was ist zu tun? Wo helfen, wo nicht stören? Emotionen bitte später.
Am Bahnsteig wird durchgesagt, dass ein Zug wegen eines Rettungseinsatzes ausfällt. Man kennt die Durchsage.
Aber man ist eigentlich nie dabei...
Jetzt daheim kommen die Emotionen rauf. Was wird wohl aus dem jungen Mann? Das Gesicht, die Körperhaltung von ihm schneiden mir die Luft ab. Ich heule. Es tut mir so leid, dass wir das Leben seiner Mutter nicht retten konnten. Obwohl alle wussten, was sie tun müssen, sofort ausreichend ausgebildete Ersthelfer zur Stelle waren.
Und manchmal rettet genau das aber doch einem Menschen das Leben.